| PIETRA ist
ein italienischer Frauenname, aber pietra heißt auch
Stein. Pietra Montecorvino hat sich diesen Künstlernamen,
der einem kleinen, steinigen Dreitausend-Seelen-Ort in Apulien
entliehen ist, vielleicht auch deshalb genommen, weil ihre
Stimme ein rauhes, zerklüftetes Etwas ist. Das Timbre
klingt wie kurz vor der vollständigen Auflösung
in Rauchwolken und hat gerade deshalb eine umwerfende Sinnlichkeit.
Die exzentrische Neapolitanerin hat zusammen mit Eugenio
Bennato, einem der Gründer der Nuova Compagnia di Canto
Popolare, die Canzoni ihrer Heimatstadt aufs offene Meer
geschickt. Bennato, der Vater der „Taranta Power“, einer
Bewegung, die die Tarantella, diesen rituellen süditalienischen
Tanz und andere neapolitanische Traditionen, in die Klangwelt
von Mittelmeer-Städten wie Algier, Casablanca, Marseille,
Rabat oder Athen trägt, hat das Ganze musikalisch dirigiert.
Und der von ihm äußerst verehrten Pietra Montecorvino
soviel Raum wie möglich gelassen. „Die Geschichte von
Neapel und all der anderen Hafenstädte am Mittelmeer,
ist eine Geschichte von Händlern und Piraten, die Waren,
Instrumente, Poesie und Musik von einem Ort zum anderen brachten“ sagt
Bennato, „alles hat aufeinander abgefärbt. Die Märkte
in Marseille, Tunis und Neapel riechen heute noch gleich“.
Umso wichtiger fand es der Musiker und Komponist in einer
Zeit des stetig anwachsenden Fremdenhasses, den Europäern
zu zeigen, welchen immensen kulturellen Reichtum die Immigranten
Nordafrikas mitbringen. Meist nur mit Oud, Schlaggitarre
und Perkussion hat er die Gassenhauer, Liebesballaden und
Klassiker Neapels instrumentiert und dem Gesang Montecorvinos
nicht nur eine arabisch-griechische Basis gegeben, sondern
auch vokale Verbündete: Zena Chabane aus Mozambique,
Laura Klain aus Frankreich, Mbarka Bentaleb aus Tunesien,
Elena Zeghinoglou aus Griechenland und die beiden Algerier
Abbes Boufrioua und Samir Toukour. Pietra Montecorvino ist
die ideale Besetzung für die Songs, sie wandert mit
traumwandlerischer Sicherheit über die rhythmische Brücke,
die Bennato in den Mittelmeerraum gebaut hat. Und sie nimmt
den neapolitanischen Liedern den Kitsch und die künstliche
Fröhlichkeit, in der sie seit langem erstarrt waren.
Dadurch, daß sie in einer sogenannten besseren Familie
aufwuchs, hatte sie als Kind keinerlei Kontakt zur traditionellen
Musik und dem Dialekt Neapels, das gibt ihr heute eine ungewöhnliche
Freiheit im Umgang mit dem Material. Ob sie „O sole mio“ singt,
das berühmteste italienische Lied oder die Ballade vom
verliebten Soldaten, „O surdato ‚nnamurato“, einen der dramatischsten
Songs Neapels, Montecorvino gelingt die Balance zwischen
großem Gefühl und Ironie perfekt. „Diese Musik
ist mir zur zweiten Haut geworden“, sagt die kleine Frau
mit der großen Stimme. Was sie verschweigt, wider besseren
Wissens, ist die Gänsehaut, die sie bei anderen auslöst.
A project
by: Eugenio Bennato
Musical direction: Eugenio Bennato
Realization: Erasmo Petringa
Realization"Sole Sole": Martino De Cesare, Tony Semeraro
Mixing: Enzo Rizzo
Registration: "Ada Studio" of Airola (BN) (Erasmo Petringa)
"Orange Bug" of Naples ( Salvio Imparato)
"Maya Records" of Crispiano (TA) ( Tony Semeraro)
"Ellada Studio" of Athen (Greece) Instruments: Laud, mandoloncello,
cello and bass Erasmo Petringa
Guitar battante Erasmo Petringa, Marcello Vitale
Percussions Emidio Petringa and Erasmo Petringa
Drums Gianluca Brugnano
Electric Bass Diego Imparato
Guitar battante Martino De Cesare and Luca Gianquinto
Voices Mbarka Bentaleb (Tunisia), Zena Chabane (Mozambique), Eleana Zeghinoglou
(Greece), Abbes Boufrioua (Algeria), Laura Klain (France), Samir Toukour (Algeria),
Pasqualino Ruggiero (Italy).
Masterisation: Antonio Baglio - Studio Nautilus of Milan
Cover picture: Barbara Ledda of Rome
Production: Taranta Power of Naples, Editions cinquantacinque of Naples
www.pietramontecorvino.com |